15.08.2021 • Afghanistan


Afghanistan – Das Land vor dem Zusammenbruch

 

Ticker des Tagesanzeiger.ch (Schweiz): Live Ticker zur Lage in Afghanistan


[PWP24 Bericht | Auswärtiges Amt | euronews]

Außenminister Maas zur Situtation in Afghanistan

Die Nachrichten und die Bilder, die uns zurzeit aus Afghanistan erreichen, sind wirklich nur schwer zu ertragen. Wir und auf der ganzen Welt, müssen mit ansehen, wie schnell die Taliban die Kontrolle übernommen haben und wie wenig die afghanischen Streitkräfte dem entgegenzusetzen haben. Teile der afghanischen Regierung befinden sich bereits im Ausland, haben das Land verlassen, die Machtübernahme der Taliban steht unmittelbar bevor.

In dieser Situation muss oberste Priorität die Sicherheit unserer Staatsangehörigen, unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unserer Botschaft haben und genauso die Menschen, mit denen wir in den letzten Jahren in Afghanistan zusammengearbeitet haben.

Daher haben wir heute früh entschieden, unser Botschaftspersonal in einen militärisch gesicherten Bereich am Flughafen in Kabul zu verlagern. Die Kolleginnen und Kollegen sind jetzt dort und sie sind dort in Sicherheit. Wir haben gerade bei einer Sitzung des Krisenstabs mit ihnen Kontakt gehabt und noch einmal uns bedankt für ihren schwierigen Einsatz, den sie dort zurzeit leisten. Ein Teil von Ihnen wird noch im weiteren Verlauf des Tages aus Kabul ausgeflogen.

Wir haben im Krisenstab heute Nachmittag ebenfalls beschlossen, dass noch heute Nacht Flugzeuge der Bundeswehr nach Kabul aufbrechen werden, um bei den notwendigen Evakuierungsarbeiten zu unterstützen und diese dann auch in den kommenden Tagen durchzuführen. Die Flüge, die von der Bundeswehr mit Militärmaschinen operationalisiert werden, finden zunächst von Kabul in ein Nachbarland statt und für den anschließenden Transport von da nach Deutschland stellen wir auch zivile Flugzeuge zur Verfügung.

Ein operatives Kernteam der Botschaft wird in Kabul bleiben, an dem Ort, an dem die Kolleginnen und Kollegen jetzt am Flughafen untergebracht sind, um die notwendige Arbeits- und Handlungsfähigkeit zu erhalten, um die weiteren Evakuierungsmaßnahmen in den nächsten Tagen mit begleiten zu können.

Wir setzen jetzt alles daran, unseren Staatsangehörigen und unseren ehemaligen Ortskräften eine Ausreise in den kommenden Tagen zu ermöglichen. Die Umstände, unter denen das stattfinden kann, sind aber derzeit schwer vorherzusehen.

Deshalb stehen wir auch in einem engem Austausch mit den USA und anderen internationalen Partnern. Wir haben uns darauf verständigt, dass wir uns bei den Evakuierungsmaßnahmen in den kommenden Tagen gegenseitig und wechselseitig unterstützen werden. Wir haben anderen Unterstützung geleistet und wir nehmen genauso deren Unterstützung in den kommenden Tagen an. Für diese enge Kooperation will ich mich bei den internationalen Partnern auch ausdrücklich bedanken.

-Heiko Maas (SPD, Bundesaußenminister)


Präsident schon weg: Kabul wird wohl ohne Kämpfe an Taliban übergeben

Von euronews mit dpa

Afghanistan steht kurz vor der Machtübernahme durch die Taliban. Die deutsche Bundesregierung hat eilig ihre Botschaft in Kabul geschlossen und das Personal zum militärischen Teil des Flughafens verlegt. Auch andere westliche Staaten bringen ihre Mitarbeiter:innen in Sicherheit.

Afghanistans Präsident Aschraf Ghani ist bereits außer Landes. „Der ehemalige afghanische Präsident hat das Land verlassen“, sagte der ehemalige Vizepräsident Abdullah Abdullah in einem Video auf seiner Facebook-Seite.

Die militant-islamistischen Taliban standen schon am Morgen unmittelbar vor den Toren Kabuls und sollen sogar schon Außenbezirke der Hauptstadt eingenommen haben. Kabul war am Sonntag die letzte Großstadt unter Kontrolle der Regierung.

Damit erreicht die Blitzeroberung des Landes durch die Taliban ihr vorläufiges Ziel. Nach Angaben der afghanischen Regierung ist kein Gefecht um die Millionenmetropole geplant. Vielmehr soll nach einer Vereinbarung zwischen beiden Seiten ein friedlicher Machtwechsel erfolgen. Zuletzt waren auch die Städte Massar-i-Sharif und Dschalalabad praktisch kampflos an die Taliban gefallen.

Die Regierung rief die Bewohner Kabuls auf, nicht in Panik zu verfallen und die Stadt nicht überstürzt zu verlassen, Kabul sei sicher. Die Einzelheiten der Machtübergabe sollen offenbar bei Verhandlungen in Doha in den Vereinigten Arabischen Emiraten geklärt werden.

Kurz zuvor hatte der Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid der BBC gesagt, er könne bestätigen, dass es Gespräche mit dem Präsidentenpalast über eine friedliche Machtübernahme gebe. Der Leiter des Hohen Rates für Nationale Versöhnung, Abdullah Abdullah, organisiere diese.

Die angebliche Vereinbarung zur Übergabe der afghanischen Hauptstadt Kabul

Auch der Verteidigungsminister Bismillah Chan Mohammadi erklärte in einer auf Facebook veröffentlichten Videoansprache, er als Vertreter der Streitkräfte garantiere die Sicherheit Kabuls. Die Menschen sollten nicht in Panik verfallen. Es sei bekannt, dass sich der Präsident Aschraf Ghani mit heimischen Politikern getroffen habe und ihnen die Verantwortung übertragen habe, eine autoritative Delegation aufzustellen, die am Montag nach Doha reisen solle, um mit den Taliban eine Einigung über die Afghanistan-Frage zu erzielen. Die Sicherheit von Kabul werde aufrechterhalten, bis eine Einigung erzielt wird, sagte er.

Mehrere westliche Länder hatten wegen des Vormarschs der Taliban bereits mit Evakuierungsaktionen begonnnen. Die deutsche Bundeswehr soll offenbar am Montag mit einem Hubschrauber nach Kabul fliegen, um dann Botschaftsmitarbeiter und afghanische Ortskräfte auszufliegen.

In den eroberten Gebieten, wie hier in Herat, bemühen sich die Taliban, den Eindruck eines geordneten Machtübergangs zu vermitteln. Sie verteilen Begnadigungsschreiben für ehemalige Regierungsmitarbeiter. Wer nicht aus der Region kommt, sondern nur hierher versetzt worden war, wird nach Hause geschickt und soll sich seine Begnadigung dort abholen.


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Wir empfehlen, auf Reisen nach Afghanistan zu verzichten, sich in Sicherheit zu bringen und/ oder das Land zu verlassen!